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Sören Pellmann, Stadtrat

Umbenennungen sollten nur dann erfolgen, wenn dafür unter der Leipziger Bevölkerung ein dringendes Bedürfnis besteht

Schaut man sich die Protokolle der Ratsversammlungen der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an, so stößt man immer wieder auf kontroverse Debatten zur Um- und Neubenennung von Straßen und Plätzen unserer Stadt. Nicht alle damals getroffenen Entscheidungen würden heute vielleicht anders getroffen. Manche waren dem damaligen Zeitgeist geschuldet, insbesondere dem Anspruch, das DDR-Erbe im Straßennamensbild möglichst rasch und radikal zu überwinden. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, haben wir bis heute in Leipzig wesentlich mehr Namensgeber von aufrechten Antifaschisten als in manch anderen ostdeutschen Städten. Und das ist gut so!

Schaut man sich die Protokolle der Ratsversammlungen der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts an, so stößt man immer wieder auf kontroverse Debatten zur Um- und Neubenennung von Straßen und Plätzen unserer Stadt. Nicht alle damals getroffenen Entscheidungen würden heute vielleicht anders getroffen. Manche waren dem damaligen Zeitgeist geschuldet, insbesondere dem Anspruch, das DDR-Erbe im Straßennamensbild möglichst rasch und radikal zu überwinden. Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit, haben wir bis heute in Leipzig wesentlich mehr Namensgeber von aufrechten Antifaschisten als in manch anderen ostdeutschen Städten. Und das ist gut so!

Die Erfahrungen bei der Benennung von Straßen und Plätzen, die vor allem in den besagten neunziger Jahren gewonnen wurden, sollten wir mehr als Elle an eventuell noch aus­stehende Benennungsvorhaben anlegen. Ich möchte einige nennen, weil dies dann auch wesentlich für die Entscheidung über unseren heute zur Abstimmung stehenden Antrag sein könnte:

1. Insbesondere Umbenennungen sollten nur dann erfolgen, wenn dafür unter der Leipziger Bevölkerung ein dringendes Bedürfnis besteht. Bekanntlich ist jede Umbenennung mit Unannehmlichkeiten und Kosten verbunden.

2. Umbenennungen sollten nicht als Reaktionen auf tagaktuelle Ereignisse erfolgen. Wie stünden wir heute da, wäre damals der Antrag verabschiedet worden, in Leipzig eine Straße nach dem Versandhaus „Quelle“ zu benennen? Da Straßennamen nicht wie die sprichwörtlichen Hemden gewechselt werden können, bedarf es für die Würdigung von Personen und Ereignissen eines angemessenen zeitlichen Abstandes. Jegliche Schnellschüsse sind zu vermeiden.

3. Neubenennungen oder Umbenennungen sollten stets beachten, dass sich die 1.000-jährige Geschichte unserer Stadt im Straßennamensbild widerspiegeln muss.

4. Es sollten möglichst solche Namen gewählt werden, die einen Bezug zu Leipzig haben, zugleich aber den Anspruch der Weltoffenheit unserer Stadt beachten. Wichtig ist jedoch, dass sich die Leipzigerinnen und Leipziger mit den jewei­ligen Namen auch identifizieren können. Gerade Letzteres ist in der Vergangenheit zu oft ausgeblendet gewesen.

Legen wir diese Kriterien an den heute in Rede stehenden Gegenstand an, so müssen wir wohl einräumen, dass die Doppelbenennung des Wilhelm-Leuschner-Platzes offen­sicht­lich genau einer der von mit kritisierten Schnellschüsse und von vorauseilendem Gehorsam beseelt war. Hinzu kommt: Der selbst aufgebaute Zeitdruck besteht nicht mehr. Die Gründe für die Benennung sind schlichtweg nicht mehr existent. Ob und wann es ein Freiheits- und Einheitsdenkmal geben wird, wie es aussehen könnte und wo es installiert wird, wissen wir heute überhaupt noch nicht. Insofern tritt das berechtigte Argument, dass der Wilhelm-Leuschner-Platz mit den Massen­demonstra­tionen 1989/1990 gar nichts zu tun hatte, logischerweise wieder in das Zentrum. Gleiches gilt für das Argument, dass der be­kannte Sozialdemokrat Wilhelm Leuschner, der als aktiver Widerstandskämpfer vom Naziregime ermordet wurde, es einfach nicht verdient hat, einen Beinamen zu erhalten, so wichtig er für viele in diesem Haus auch sein mag.

Warum wird nicht der Augustusplatz, als der bedeutendste Platz in unserer Stadt, nach „Platz der friedlichen Revolution“ um­be­nannt. Auf einen der unbedeutendsten und umstrittenen sächsischen Könige als Namenspatron für den Augustusplatz können wir wahrlich verzichten. Es war schon schlimm genug, dafür einst den Namen Karl Marx zu opfern.

Fazit: Ich bitte Sie, unserem Anliegen zu folgen und die Mög­lichkeit zu einzuräumen, einen Irrtum zu korrigieren. Damit böte sich zugleich die Chance, noch einmal ernsthaft zu prüfen, welcher Platz in „Platz der friedlichen Revolution“ umbenannt werden könnte. Es sollte aber dann wirklich ein Ort sein, der unmittelbar etwas mit den Ereignissen des Herbstes 1989 zu tun hat. Wir übernehmen den Verwaltungsstandpunkt und bitten um Abstimmung in dieser Fassung.