Welttag der Menschen mit Behinderung: Schluss mit Sondereinrichtungen – Menschenrechte statt Ausgrenzung!
Welttag der Menschen mit Behinderung: Schluss mit Sondereinrichtungen – Menschenrechte statt Ausgrenzung!
Zum heutigen Welttag der Menschen mit Behinderung erklärt Sören Pellmann, Sprecher für Inklusion und Teilhabe der Fraktion Die Linke im Bundestag:
15 Prozent unserer Bevölkerung – Menschen mit Behinderungen – erleben tagtäglich Menschenrechtsverletzungen. Und das mitten in Deutschland, im Jahr 2025. Das ist ein Skandal, den wir nicht länger hinnehmen dürfen!
Förderschulen, Werkstätten für behinderte Menschen und besondere Wohnformen sind Instrumente der Segregation. Sie verstoßen gegen die UN-Behindertenrechtskonvention und halten Menschen systematisch von gesellschaftlicher Teilhabe fern. Als langjähriger Förderschullehrer habe ich selbst erlebt, wie Kinder mit Behinderungen in Sondereinrichtungen abgeschoben werden – mit minimalen Chancen auf einen regulären Schulabschluss und faktisch ohne Möglichkeit, später zu studieren oder eine reguläre Ausbildung absolvieren zu können.
Der Weg führt dann meist direkt in die Werkstatt für behinderte Menschen – eine Sackgasse. Dort arbeiten Menschen ohne Arbeiterrechte, für einen Hungerlohn. Die Chance, von dort auf den ersten Arbeitsmarkt zu wechseln, liegt bei gerade einmal 0,35 Prozent. Das ist entwürdigend und hat mit echter Teilhabe nichts zu tun!
Hinzu kommt: Menschen mit Behinderungen tragen ein deutlich höheres Risiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden – in Einrichtungen noch einmal mehr. Die aktuelle Studie zu Gewalterfahrungen von 2024 belegt das erschreckende Ausmaß.
Die Linke fordert:
• Abschaffung segregierender Sondereinrichtungen: Förderschulen, Werkstätten für behinderte Menschen und besondere Wohnformen müssen durch inklusive Strukturen ersetzt werden.
• Volle Arbeitnehmerrechte für alle: Menschen in Werkstätten brauchen Mindestlohn, Kündigungsschutz und Mitbestimmung.
• Umfassende Barrierefreiheit jetzt: Im öffentlichen Raum, im Wohnungsbau, im Verkehr – überall.
• Gewaltschutz ernst nehmen: Mehr Kontrollen in Einrichtungen und wirksame Schutzkonzepte.
• Selbstbestimmtes Wohnen ermöglichen: Statt Heimunterbringung braucht es persönliche Assistenz und ambulante Unterstützung.
Menschen mit Behinderungen sind Teil der Arbeiterklasse. Ihre Kämpfe sind unsere Kämpfe. Die Linke steht an ihrer Seite – für Inklusion statt Ausgrenzung, für Teilhabe statt Almosen, für Menschenrechte statt Sonderbehandlung!
Deutschland muss die UN-Behindertenrechtskonvention endlich vollständig umsetzen. Die abschließenden Bemerkungen des UN-Fachausschusses sind eindeutig: Wir brauchen Deinstitutionalisierung – und zwar jetzt!
Pressemitteilung 27/2025
