Unhaltbare Zustände an deutschen Bahnhöfen

"Zum Jahreswechsel, wenn Millionen Menschen unterwegs sind, um das neue Jahr mit ihren Angehörigen zu beginnen, wird besonders deutlich, was fehlende Barrierefreiheit konkret bedeutet: Für viele Menschen mit Behinderungen ist eine Bahnreise nur mit großem Aufwand möglich – oder gar nicht. Was für die meisten selbstverständlich ist, nämlich spontan in den Zug zu steigen, bleibt für viele ein unüberwindbares Hindernis. Das sind unhaltbare Zustände" erklärt der Abgeordnete Sören Pellmann, Vorsitzender und behindertenpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag.

Pellmann weiter: „Die aktuelle Antwort der Bundesregierung bestätigt erneut den schlechten Zustand der Barrierefreiheit an deutschen Bahnhöfen. An rund 9.300 Bahnsteigen und ihren Zuwegungen an etwa 5.400 Stationen bestehen weiterhin erhebliche Defizite.

Besonders gravierend ist die Lage in Bayern, Sachsen und Thüringen. In Thüringen erreichen nur 55 Prozent der Bahnsteige die erforderliche Mindesthöhe von 55 Zentimetern, in Sachsen sind es 59 Prozent und in Bayern 61 Prozent. Bei der taktilen Wegführung zum Bahnsteig bildet Sachsen-Anhalt mit lediglich 48 Prozent das Schlusslicht. Das ist beschämend für ein wohlhabendes Land wie Deutschland.

Trotz wiederholter Abfragen in den vergangenen Jahren und zahlreicher Ankündigungen des Bundes bleibt das Tempo beim barrierefreien Umbau deutlich zu niedrig. Wenn die Deutsche Bahn weiterhin nur etwa 150 Bahnsteige pro Jahr barrierefrei umbaut, wird es noch Jahrzehnte dauern, bis echte Barrierefreiheit erreicht ist. Allein um die fehlenden Bahnsteighöhen auszugleichen – bundesweit fehlen noch 28 Prozent – wären bei diesem Tempo fast 20 Jahre nötig.

Die UN-Behindertenrechtskonvention gilt in Deutschland seit 2009. Dass wir zu Beginn des Jahres 2025 noch immer keine flächendeckende Barrierefreiheit erreicht haben, ist ein Armutszeugnis. Während Kommunen verpflichtet wurden, den Nahverkehr bis 2022 barrierefrei zu gestalten, bleibt der Bund beim Schienenverkehr deutlich hinter seinen eigenen Ansprüchen zurück.“

Pellmann abschließend: „Ich fordere den Bundesverkehrsminister auf, die Anstrengungen deutlich zu verstärken und wesentlich mehr Mittel bereitzustellen. Es braucht einen verbindlichen Zeitplan für vollständige Barrierefreiheit an allen Bahnhöfen. Teilhabe ist ein Menschenrecht – kein Gnadenakt.”

 

Pressemitteilung 1/2026