Schriftliche Frage zur Struktur der Beitragszahlenden

O-Ton Sören Pellmann: 

„Der gebetsmühlenartig vorgetragene Vorwurf ‚die Jungen zahlen, die Alten kassieren‘ ist offensichtlich falsch. Meine Anfrage macht eines sehr deutlich, der Generationenkonflikt bei der Rente ist eine Chimäre! Ich finde es unverschämt, wenn durch CDU und Arbeitgeber die Rente zu einem Kampf zwischen Alt und Jung aufgebauscht wird, obwohl doch beide Gruppen im Verhältnis genauso fleißig Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen. 
 

Die Inszenierung eines ‚Generationenkonflikts‘ dient offensichtlich nur dazu, arbeitende Menschen gegeneinander auszuspielen und das seit Bismarck durch alle Krisen und Kriege bewährte Rentensystem zu diskreditieren.

 

Berichte zur Rente dürfen sich nicht in Schockmeldungen über das bald implodierende System oder den großen Konflikt zwischen Jung und Alt erschöpfen. Das Vertrauen in unsere staatlichen Sicherungssysteme muss wiederhergestellt werden. 
 

Das geht allein durch eine Stärkung des Systems, damit es endlich wieder für alle funktioniert. Denn wenn die abgefragten Zahlen eines deutlich zeigen: Die Beschäftigten, die Rentenbeiträge zahlen, sitzen alle im gleichen Boot, egal wie alt sie sind. Sie sind es, die fleißig Beiträge in die Rentenversicherung zahlen, egal ob sie 18 oder 58 Jahre alt sind. Wer nicht im Boot sitzt, der beklagt die angeblich zu hohen Kosten für die Rente merkwürdigerweise am lautesten und schlägt als Lösung dafür lediglich Kürzungen bei der Rente vor. Die schleichende Zerstörung und Kaputtkürzung der Rente kann damit ungestört vorangetrieben werden.“

 

Zur Anfrage: 

In absoluten Zahlen ist es die Gruppe der mittelalten und älteren Versicherten, die hauptsächlich die Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Meine Anfrage zeigt das: 25,2 Millionen Menschen zwischen 35 und 67 Jahren zahlen Beiträge in die gesetzliche Rente. Auf der anderen Seite sind es rund 11,8 Millionen Menschen zwischen 17 und 34 Jahren, die Beiträge zahlen. 

Die Gruppe der Jüngeren ist nur ungefähr halb so groß, wie die Gruppe der Mittelalten und Älteren. Allerdings umfasst diese Gruppe 32 Jahre, während die Gruppe der Jüngeren 17 Jahre umfasst, also ungefähr die Hälfte der Zeitspanne. Im Verhältnis zahlen auch ungefähr die Hälfte an Menschen Beiträge. Sprich: diese Gruppe ist genauso fleißig wie die der mittelalten und älteren und beteiligt sich genauso aktiv an der Rentenfinanzierung, obwohl in dieser Gruppe viele noch in Ausbildung sind. 

Diese Zahlen zeigen zwei Dinge deutlich: die Jungen sind genauso fleißig und der Hauptteil der Menschen, die Beiträge zahlen, sind nicht die Jungen.

Die Schlussfolgerung „die Jungen müssen zahlen und die Alten profitieren“, wie wir es leider auch in der Debatte um die Stabilisierung des Rentenniveaus oft gehört haben, ist ein falsches und viel zu simples Verständnis des Umlagesystems.  Um es deutlich zu machen: Zehnjährige Kinder zahlen gar nichts, was auch gut so ist, denn es besteht Schulpflicht, aber sie sind zweifellos jung. Andererseits zahlen auch 35-jährige, 45-jährige, 55-jährige und 65-jährige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein, bevor sie, je nach Jahrgang, beispielsweise in die Regelaltersrente wechseln. Unstrittig sind 55-jährige, 60-jährige und 65-jährige nicht mehr jung, sondern älter. In Wirklichkeit zahlen nicht die Jungen für die Alten. Andererseits gibt es auch 20-jährige Rentnerinnen, die eine Waisenrente erhalten oder 48-jährige Rentnerinnen und Rentner, die ihren Partner oder Partnerin verloren haben und nun eine Hinterbliebenenrente beziehen. 

Seniorinnen und Senioren dürfen nicht mit den Rentnerinnen und Rentnern verwechselt werden! Ebenso dürfen die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler nicht mit den Jungen verwechselt werden!
 

Hintergrundinformationen

Der ehemalige Forschungsleiter der Deutschen Rentenversicherung, Dr. Reinhold Thiede, analysierte bereits 2023, dass sich die demografische Entwicklung günstiger entwickelt habe, als bisher angenommen. In der 15. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung habe sich durch prognostizierte Zuwanderung und Arbeitsmarktentwicklungen weitaus besseres Bild für die Rentenfinanzen ergeben, als noch in der 13. und 14. Dr. Thiede geht davon aus, dass die anstehende Entwicklung hinter bereits bewältigten Alterungen der Gesellschaft zurückbleibe. Auch wenn sich die demografische Entwicklung in der 16. Koordinierten Bevölkerungsberechnung wieder leicht in die andere Richtung entwickelt, so liegt das nicht an der zurückgehenden Lebenserwartung, sondern der sinkenden Geburtenraten, die mit einer fördernden Familienpolitik und nicht mit einer restriktiven Rentenpolitik zu begegnen ist.

Der Aufsatz von Herrn Dr. Thiede ist hier zu finden: https://rvaktuell.de/02-2023/die-demographische-belastung-steigt-aber-weniger-als-in-der-vergangenheit15-koordinierte-bevoelkerungsvorausberechnung-annahmen-ergebnisse-erste-folgerungen/#:~:text=Die%20Ende%202022%20vorgelegte%2015,Anstieg%20der%20demographischen%20Belastung%20einhergeht

 

Bei der Rentenfinanzierung geht es nicht um Jung und Alt. Entscheidend sind die Einnahmen aus den Beiträgen. Diese sind nicht mit der Anzahl der Beitragszahler und Beitragszahlerinnen gleichzusetzen, sondern im Wesentlichen von der Höhe der Beitragszahlungen abhängig, die wiederum an die Löhne gekoppelt sind. Deshalb sorgte auch in den vergangenen Jahren die gute Arbeitsmarktentwicklung für die gute finanzielle Entwicklung der Rentenversicherung, deren Nachhaltigkeitsrücklage im September 2024 mit 40,6 Milliarden Euro (1,43 Monatsausgaben) gut gefüllt war.

Der Beitragssatz zur Rentenversicherung lag in den 1990er Jahren schon einmal bei über 20 Prozent. Mit anderen Maßnahmen, wie der Einbeziehung aller Erwerbstätigen, der Verdoppelung der Beitragsbemessungsgrenze, der überparitätischen Beteiligung der Arbeitgeber (wie beispielsweise in Österreich, Spanien, Schweden und Frankreich) sowie der Abschaffung der Riesterrente könnten die Beiträge für die Arbeitnehmer gedämpft werden. Bezöge man jetzt die Beamten und Selbstständigen und Freiberufler mit ein, sorgte man außerdem für eine demografische Untertunnelung. Diese Renten müssten erst wieder ausgezahlt werden, wenn die Babyboomer-Generation verstorben sein wird und sich die demografische Situation wieder entspannt hat.

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